Lena Deike
 - 20. April 2020

Wie betreibe ich effektives Selbstmarketing als Freiberufler während der Corona-Krise?

Leben als Freiberufler

Die Corona-Krise fordert nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch neue Herangehensweisen und Methoden im beruflichen Miteinander. Es herrscht ein Ausnahmezustand – Projekte werden abgebrochen oder bestenfalls ins Homeoffice verlegt und Unternehmen verlieren ihre Zahlungs- und somit Beschäftigungsfähigkeit. Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen, weshalb Sie sich gerade jetzt um ein effektives Selbstmarketing kümmern sollten.

Jeder von Ihnen ist eine Personenmarke – ob bewusst oder unbewusst. Bei jeder Interaktion, die Sie mit anderen tätigen, erzeugen Sie einen Eindruck. Eine Art Reputation, vorstellbar wie ein Gesamtbild. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen aufzeigen, wie Sie effektives Selbstmarketing betreiben, indem Sie sich psychologischen Tricks aus dem Marketing bedienen.

Was ist Personal Branding?

Der Begriff Branding wird meist mit Produkten und Dienstleistungen in Verbindung gebracht und beschreibt die Nutzung und Entwicklung von Marken. Benutzt man das Branding gezielt für die Selbstvermarktung mittels des Aufbaus einer Marke und öffentlicher Inszenierung, spricht man von Personal Branding (übersetzt „Personen-Marke“). Personal Branding beschreibt demnach die Markenbildung rund um die eigene Person – inklusive Darstellung und Positionierung nach außen.

Zudem ist Personal Branding auch immer eine Form von Persönlichkeitsentwicklung. Neben den äußerlichen Faktoren spielen innere psychologische Prozesse ebenfalls eine große Rolle. Mit ihnen wird definiert, warum Sie sich als Person in die Öffentlichkeit bringen möchten und mit welchen Inhalten und Absichten Sie dies erreichen wollen. Für Sie als Personenmarke ist es deshalb nicht nur wichtig, Ihre fachliche Kompetenz darzustellen, sondern auch eine gute Kenntnis über sich selbst als Persönlichkeit, Ihre Erwartungen, Ihre Stärken und auch Schwächen zu reflektieren.

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Schon 2009 beschrieb der Digitalisierungsexperte Ibrahim Evson: Menschen folgen lieber Menschen als Marken. Ein persönliches Profil, das mithilfe einer Personen-Marke zur Vermarktung dient, kann Ihnen also nicht nur dabei helfen, aus der Masse herauszustechen, sondern auch dabei, sich nachhaltig interessant für potenzielle Kunden zu machen. Wichtig ist hier: Verstellen Sie sich nicht! Seien Sie authentisch und transparent.

Menschen kaufen Emotionen

Das Ziel eines effektiven Eigenmarketings sollte sein, Ihre Personenmarke im Gedächtnis potenzieller Kunden zu verankern. Das sogenannte Relevant Set (auch Awareness Set genannt) beschreibt die Auswahl an Marken und Produkten, die sich im Bewusstsein des Kunden befinden. Das Relevant Set ist somit die Voraussetzung für ein effektives Eigenmarketing, damit sich der Kunde für Sie entscheidet.

Wie kommen Sie also nun in das Relevant Set des Kunden? Sie können sich natürlich wie gewohnt mit Ihren fachlichen Kompetenzen in der Öffentlichkeit darstellen. Es stellt sich nur die Frage: Wie grenzen Sie sich damit von der Masse ab? In Nischenbranchen wird Ihre fachliche Expertise allein meist ausreichen, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Doch wie gelingt Ihnen dieser Schritt, wenn Ihre Tätigkeit in einer gut besiedelten Branche liegt? Sie müssen sich sowohl fachlich als auch menschlich zeigen!

Ihre Bedürfnisse, Ansichten und Motivationen, können potenzielle Kunden auf einem emotionalen Level ansprechen. Das ist nötig, um sie in ihrer Kaufentscheidung zu Ihren Gunsten zu beeinflussen. Das psychologische Konzept der sozialen Homophilie zeigt in zahlreichen Studien, dass eine Ähnlichkeit zwischen Menschen am häufigsten zu einem positiven Zusammenkommen führt. Denn wie man so schön sagt: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Beispielsweise folgen wir bei Kaufentscheidungen dem Rat von Menschen, die uns das Gefühl geben, dass sie uns verstehen, weil sie uns ähnlich sind. Der Kunde muss wissen, weshalb er sich aus dem großen Pool am Ende für Sie entscheidet. Passen Ihre Vorstellungen, Motivation und besonders Ihr Charakter zusammen, haben Sie eine weitaus höhere Chance, das Projekt an Land zu ziehen und Folgeaufträge sowie Weiterempfehlungen zu erlangen. Versuchen Sie also, so gut es geht Ihren Personal Brand mit Emotionen und Ihrem Charakter zu personalisieren.

Nutzen Sie das Neuromarketing für sich

Um die persönliche Ansprache für Ihr Personal Brand zu perfektionieren, kann die Lymbic Map von Hans-Georg Häusel Hilfe verschaffen. Das Konstrukt, welches im Neuromarketing Fuß fasst, beschreibt, dass Menschen Entscheidungen vor allem aus emotionalen und meistens unbewussten Gründen treffen. Deshalb sind die Vorgänge im sogenannten limbischen System des Gehirns von zentraler Bedeutung. Neben den grundlegenden Vitalbedürfnissen wie Nahrung, Schlaf und Atmung gibt es drei Motiv- und Emotionssysteme, die Menschen bestimmten:

  • Balance mit den Zielen Sicherheit, Risikovermeidung und Stabilität
  • Dominanz mit den Zielen Selbstdurchsetzung, Konkurrenzverdrängung, Status, Macht und Autonomie
  • Stimulanz mit den Zielen Entdeckung von Neuem, Lernen von neuen Fähigkeiten

Um gutes Eigenmarketing zu betreiben, müssen Sie als Freiberufler auch auf vertriebliche Prozesse vorbereitet sein. Ihr Ziel als „Verkäufer“ ist es folglich, bewusst in das Unterbewusstsein des Interessenten zu gelangen. Dafür können Sie die Emotionswelt Ihrer Kunden nutzen. Sprich: durch Ihre Kommunikation die richtigen Gefühle erzeugen.

Gerade während der aktuellen bedrohlichen Corona-Pandemie kann die gezielte Anwendung des Punktes Balance hilfreich für Sie sein. Bieten Sie dem Kunden Sicherheit und Stabilität, wird er sich in der heutigen risikobehafteten Situation vielleicht eher für Sie als für Ihre Konkurrenz entscheiden – ob bewusst oder unbewusst. Versuchen Sie sich auf diese Bereiche zu konkretisieren, damit Sie möglichst viele Facetten erreichen können.

Bonustipp: Job- und Projektbörsen

Um die beschriebenen psychologischen Aspekte auch anzuwenden, ist es für Sie hilfreich, sich ein passendes Netzwerk aufzubauen. Online-Jobbörsen oder auf Freelancer spezialisierte Projektportale sind sehr interessant, da Sie hier auf lukrative Projekte stoßen können.

Sind Sie auf der Suche nach Projekten? Dann schauen Sie bei der Projektübersicht auf unserer Website vorbei. Dort laden Unternehmen regelmäßig neue Projekte hoch.



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2 Kommentare zu "Wie betreibe ich effektives Selbstmarketing als Freiberufler während der Corona-Krise?"

Janina Goldschmidt - 20. April 2020 | 12:53

Hallo Frau Deike,

danke für diesen hilfreichen Beitrag. Ich interessiere mich sehr für das Thema Neuromarketing und habe daher auch schon Bücher wie Think Limbic! gelesen. Haben Sie eventuell noch weitere Literaturempfehlungen in diesem Bereich?

Beste Grüße
Janina Goldschmidt

Antworten
Susanna Fischer - 20. April 2020 | 16:22

Hallo Frau Goldschmidt,

vielen Dank für die positive Rückmeldung. Meine Kollegin Frau Deike hat für Sie einige Literaturempfehlungen zusammengefasst:

– Was können Werbende vom Neuromarketing lernen?
https://faculty.insead.edu/hilke-plassmann/documents/6_Plassman_etal_IJA_2007.pdf

– Consumer Neuroscience und Neuromarketing – der Blick ins Kundenhirn
https://link.springer.com/article/10.1007/s11621-008-0105-z

Einzelne Studien könnten auch interessant für Sie sein:

– Belohnungseigenschaften von kulturellen Objekten signalisieren soziale Dominanz und Wohlstand https://www.researchgate.net/publication/10975245_Cultural_Objects_Modulate_Reward_Circuitry

– Wie beeinflussen kulturelle Informationen/Prägungen unsere Wahrnehmung bzw. unsere Präferenzbildung?
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0896627304006129

– Der Einfluss impliziter Informationen auf unsere Entscheidungen
https://www.researchgate.net/publication/7548762_Evidence_for_a_neural_correlate_of_a_framing_effect_Bias-specific_activity_in_the_ventromedial_prefrontal_cortex_during_credibility_judgments

Sollten Sie weitere Rückfragen haben, können Sie sich auch gerne persönlich mit uns in Verbindung setzen.

Viele Grüße
Susanna Fischer

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